MEIN BLICK / INDUSTRIE, KI & ARBEIT

Zukunft gestalten.
Verantwortung behalten.

Ich sehe große Chancen für Industrie und Logistik: bessere Entscheidungen, weniger Routine und verlässlichere Abläufe. Fortschritt bedeutet für mich, Technik, Prozesse und die Menschen im Unternehmen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Persönliche Einschätzungen von Carsten Kleer ·

01 / ENTWICKLUNG

Wohin geht die Reise?

Mein Ausblick ab Oktober 2026.
Zeithorizonte als Orientierung, ohne feste Eintrittszusage.

Die nächste Entwicklungsstufe sehe ich im Zusammenspiel von verlässlichen Daten, vernetzten Prozessen und Menschen, die diese Technik beherrschen.Mein Blick auf Industrie und Logistik

KURZFRISTIG 0–2 Jahre

Die Grundlagen stärken.

Ich erwarte zunächst vor allem mehr Unterstützung im Alltag: KI hilft bei Auswertungen, Dokumentation, Wissenssuche und der Vorbereitung von Entscheidungen. In Produktion und Logistik liegen viele Potenziale in besseren Daten und klareren Abläufen.

Saubere Stammdaten, zeitnahe SAP-Buchungen, eindeutige Verantwortlichkeiten und nachvollziehbare Kennzahlen schaffen dafür die Basis. Mein Fokus wäre, konkrete Anwendungen klein zu starten und ihren Nutzen an Qualität, Lieferfähigkeit und Aufwand zu messen.

MITTELFRISTIG 3–5 Jahre

Planung und Realität verbinden.

Ich sehe mehr Vernetzung zwischen ERP, Fertigungs- und Lagersteuerung. Bedarfe, Kapazitäten, Bestände und Qualitätsdaten könnten dadurch früher gemeinsam bewertet werden. Digitale Zwillinge – virtuelle Abbildungen realer Abläufe – ermöglichen es, Veränderungen zunächst zu simulieren.

Mobile Robotik, kameragestützte Prüfungen und datenbasierte Planung dürften dort an Bedeutung gewinnen, wo sie wirtschaftlich und sicher einsetzbar sind. Für mich zählt die durchgängige Verbindung von Produktion, Lackierung, Montage und Materialfluss.

LANGFRISTIG 6–10 Jahre und darüber hinaus

Anpassungsfähiger werden.

Langfristig halte ich stärker selbstständig koordinierte Produktions- und Logistiknetzwerke für möglich. Systeme könnten Störungen, Energiebedarf und Lieferbedingungen laufend berücksichtigen und Abläufe innerhalb festgelegter Grenzen anpassen.

Wie weit das geht, hängt von Datenqualität, Investitionen, Standards und Sicherheit ab. Ich sehe den Menschen weiterhin in der Verantwortung für Ziele, Freigaben und Ausnahmen. Ein zukunftsfähiger Betrieb muss auch bei Systemausfällen handlungsfähig bleiben.

Fachlicher Hintergrund: Fraunhofer IML: Digitalisierung und digitale Zwillinge · KI, Robotik und Mensch-Technik-Zusammenarbeit. Die Zeithorizonte und Prioritäten sind meine eigene Einordnung.

02 / DATENSICHERHEIT

Daten schützen.
Vertrauen erhalten.

Für mich beginnt verantwortlicher KI-Einsatz mit der Frage: Welche Informationen dürfen für welchen Zweck verarbeitet werden?

Personalinformationen, Kundendaten, Kalkulationen und Betriebswissen brauchen klare Regeln. Ich halte freigegebene Werkzeuge, begrenzte Zugriffsrechte, nachvollziehbare Datenwege und klare Speicher- und Löschregeln für unverzichtbar. Lokale Verarbeitung kann Datenübermittlungen vermeiden; auch dabei müssen das Gerät, die Anwendung und die Zugriffe geschützt sein.

Das Entfernen von Namen allein schützt nicht jeden Personenbezug. Rollen, Ereignisse oder Kombinationen von Angaben können weiterhin Rückschlüsse ermöglichen. Deshalb gehören für mich Datenminimierung und eine sorgfältige Prüfung vor jeder Weitergabe zusammen.

Mit anoCK verfolge ich dafür einen praktischen Ansatz: Dokumente lokal vorbereiten und sensible Angaben bewusst ersetzen. Das Werkzeug unterstützt die Prüfung; es ersetzt keine betriebliche Freigabe und garantiert keine vollständige Anonymität.

Fachlicher Hintergrund: Europäischer Datenschutzausschuss: Datenschutz und KI-Modelle, Stellungnahme 28/2024. Dies ist mein Grundsatz für die Praxis, keine Rechtsberatung.

03 / KI & SICHERHEIT

Chancen nutzen.
Risiken ernst nehmen.

Je mehr eine KI selbstständig ausführen darf, desto wichtiger werden klare Grenzen, Prüfungen und Eingriffsmöglichkeiten.

KI kann Muster erkennen, Informationen aufbereiten und Entscheidungen unterstützen. Gleichzeitig können überzeugend formulierte Antworten falsch sein. Auch Datenabfluss, verzerrte Bewertungen, manipulierte Eingaben und täuschend echte Bilder oder Stimmen gehören zu den Risiken.

  • Ergebnisse fachlich prüfen.Eine plausible Antwort ist kein Nachweis. Quellen, Berechnungen und entscheidende Annahmen müssen überprüfbar sein.
  • Berechtigungen begrenzen.KI-Zugriffe auf Dateien, Systeme oder Maschinen brauchen festgelegte Grenzen. Inhalte aus E-Mails und Dokumenten dürfen nicht ungeprüft als Handlungsanweisungen gelten.
  • Menschen und Anlagen schützen.Sicherheitskritische Anwendungen benötigen eine eigene Risikobewertung, geeignete Schutzmaßnahmen und Tests. Eine generative KI ersetzt keine geprüfte Sicherheitsfunktion.
  • Kontrolle und Rückfallwege vorsehen.Bei wichtigen Entscheidungen halte ich Freigaben, nachvollziehbare Abläufe sowie die Möglichkeit zum Stoppen oder Zurücknehmen von Aktionen für notwendig.

Mein Maßstab ist ein nachvollziehbarer Einsatz: Je größer die mögliche Auswirkung eines Fehlers, desto höher müssen die Anforderungen an Prüfung und Absicherung sein.

Fachlicher Hintergrund: NIST: Generative AI Profile, NIST AI 600-1 (2024, PDF, Englisch). Die Umsetzungsempfehlungen geben meine persönliche Haltung wieder.

04 / ARBEIT & FÜHRUNG

Arbeit verändert sich.
Menschen brauchen Perspektiven.

Ich sehe KI als Chance, Beschäftigte zu entlasten und ihre Fähigkeiten zu erweitern. Gleichzeitig müssen wir ehrlich über Tätigkeiten sprechen, die künftig wegfallen können.

Auswertungen, Dokumentation und andere Routinen lassen sich teilweise automatisieren. Damit können Aufgaben neu verteilt werden und einzelne Stellen unter Druck geraten. Neue Aufgaben entstehen ebenfalls; sie ersetzen wegfallende Arbeitsplätze aber nicht automatisch und verlangen häufig andere Kenntnisse.

Die ILO bewertet in ihrer Untersuchung von 2025 die Veränderung von Tätigkeiten als wahrscheinlicher als die vollständige Ersetzung der meisten Berufe. Daraus lässt sich keine Arbeitsplatzgarantie für einen einzelnen Betrieb ableiten.

Für mich ist das eine Führungsaufgabe: Veränderungen früh erklären, Beschäftigte einbeziehen und Qualifizierung im Arbeitsalltag ermöglichen. Prozesswissen, praktische Erfahrung, Urteilsvermögen und gute Zusammenarbeit müssen mit neuen digitalen Fähigkeiten verbunden werden. Auch Menschen ohne ausgeprägte Technikaffinität brauchen einen verständlichen Zugang.

Mein Anspruch ist, Produktivitätsgewinne mit Entwicklungschancen und einer fairen Gestaltung des Wandels zu verbinden. Weiterbildung braucht dafür Zeit und Unterstützung. Wenn Stellen betroffen sind, gehört eine offene und verantwortliche Auseinandersetzung mit den Folgen dazu.

Fachlicher Hintergrund: ILO: Generative AI and Jobs, 20. Mai 2025. Die Studie betrachtet mögliche Auswirkungen generativer KI auf Aufgaben; sie ist keine Prognose zu sämtlichen Folgen industrieller Automatisierung.